Nachrichten

Gemeinsame Erklärung von Betriebsräten der Mediengruppe M. DuMont …

Gemeinsame Erklärung von Betriebsräten der Mediengruppe M. DuMont Schauberg

12.12.2014 - Zum "Umbau", der letztlendlich Arbeitsplatzverlust und tarif- und betriebsratsfreie neue Gesellschaften bedeutet, haben die Betriebsräte von MDS eine gemeinsame Erklärung abgegeben. In Berlin gehört der Berliner Verlag ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier") zu M. DuMont Schauberg (MDS).


Gemeinsame Erklärung von Betriebsräten der Mediengruppe M. DuMont Schauberg

Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg ist eine bedeutende Zeitungs- und Mediengruppe. Mit ihren Zeitungstiteln, den Web- und Mobile-Angeboten und Rundfunkbeteiligungen leistet sie einen wichtigen Beitrag zur publizistischen Vielfalt in Deutschland und damit zur Meinungsbildung und zur öffentlichen Kontrolle in unserer Demokratie. Demokratie lebt von Transparenz und Beteiligung.

Wie in der Gesellschaft insgesamt, sind Transparenz und Beteiligung auch im Betrieb von enormer Bedeutung. Wir als Betriebsräte bestehen darauf, dass es auch in Zukunft in unseren Medienhäusern gesicherte Interessenvertretungen für alle Beschäftigten geben muss. Sie müssen die Interessen der Belegschaften artikulieren können, und sie müssen die legitimen Ansprüche der Kolleginnen und Kollegen gegenüber den Geschäftsleitungen auch durchsetzen können.
 
Deshalb bereitet es uns Sorge, dass der Vorstand und die Geschäftsführungen der Zeitungen von M. DuMont Schauberg im Namen einer Neustrukturierung der Mediengruppe Hand an die betrieblichen Interessenvertretungen in Köln, Halle, Berlin und Hamburg legen. Betriebsräte mit ihrem gesetzlichen Auftrag verkörpern das soziale Gewissen im Betrieb. Indem sie unternehmerische Entscheidungen hinterfragen, können sie dafür sorgen, dass Dinge sich ändern.

Mit seinem "Perspektive Wachstum" genannten Programm beschränkt sich der Vorstand nicht darauf, massiv Ausgründungen vorzunehmen und Stellen abzubauen. Er versucht auch, die Betriebsräte an den einzelnen Standorten zu schwächen und zu zerschlagen – unter anderem durch die Bildung von Mini-Gesellschaften mit nur einigen wenigen Beschäftigten am jeweiligen Ort. Das hat einschneidende Konsequenzen: Belegschaften von weniger als fünf Arbeitnehmern können gar keinen Betriebsrat wählen. Belegschaftsvertretungen in Betrieben mit weniger als 20 Arbeitnehmern haben nur eingeschränkte Rechte.

Gewählte Betriebsräte, die auf Augenhöhe mit den Unternehmensleitungen verhandeln sollen, müssen kenntnisreich und stark genug sein, um sich gegebenenfalls auch in Konflikten mit den Unternehmensleitungen behaupten zu können. Diese Rahmenbedingungen sind durch das Restrukturierungsprogramm, wie es derzeit vorangetrieben wird, gefährdet. Deshalb drängen wir darauf, dass trotz allen Abspaltungen und Aufspaltungen in der Konzernstruktur  die Beschäftigten weiterhin im Rahmen eines gemeinsamen Betriebes von den von ihnen gewählten amtierenden Betriebsräten vertreten werden. Entsprechende Vereinbarungen im Rahmen der aktuell laufenden Verhandlungen sind möglich und nötig, dienen dem Zusammenhalt in unserem Medienhaus und dem Betriebsfrieden.

Wir appellieren an die Gesellschafter und den Vorstand von MDS: Gewährleisten Sie auch nach Innen weiter die partizipative Demokratie, für die unsere Medien sich täglich öffentlich einsetzen.


Köln, Halle, Berlin und Hamburg, den 9. Dezember 2014

Betriebsrat M. DuMont Schauberg, Köln
Betriebsrat MDVH / MZ Druckereigesellschaft, Halle
Betriebsrat Berliner Verlag, Berlin
Betriebsrat Morgenpost Verlag, Hamburg