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23. Journalistentag der dju in ver.di versammelte über 150 Interessierte

23. Journalistentag der dju in ver.di versammelte über 150 Interessierte

28.11.2009 - Der Wert der journalistischen Arbeit war Thema des 23. Journalistentages der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di, der am 28. November 150 Teilnehmer in Berlin zusammenführte. „Die Bedingungen für Unabhängigkeit und Qualität der Medien haben sich massiv verschlechtert“, erklärte ver.di-Vize Frank Werneke. Der Arbeitsalltag sei durch Leistungsverdichtung, Stellenverluste, Knebelverträge und schlechte Honorierung für Freie, die Filetierung von Zeitungshäusern, Ausgründungen, den massiven Einsatz von Leiharbeit und wachsende Tarifflucht gekennzeichnet. In dieses Bild, so Werneke, passten auch „brachiale Versuche politischer Einflussnahme“ auf Redaktionen und Sender, wie die Nichtverlängerung des Vertrages für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender durch den Verwaltungsrat erneut belege. „Dies ist ein massiver Anschlag auf die Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Journalistische Berichterstattung muss unabhängig sein. Politik darf sich weder in Personalentscheidungen von Redaktionen noch in journalistische Angelegenheiten einmischen“, hießt es dazu in einer Resolution des Journalistentages. Brender, der das Eröffnungsreferat halten sollte, hatte wegen der personellen Querelen  seine Teilnahme am dju-Journalistentag kurzfristig abgesagt.   

„Mehr Respekt der Verleger vor Kosten und Renditen als vor journalistischer Leistung“, machte Detlef Hensche aus. Der letzte IG-Medien-Vorsitzende verwies auf den „sich ölfleckartig ausbreitenden Niedriglohnsektor“ auch im Medienbereich, der zudem Unterbietungskonkurrenz unter den Journalisten befördere. Nur „Druck und kollektive Selbsthilfe“ könnten zunehmender Polarisierung, wachsender Armut und der Konkurrenz in den eigenen Reihen  wirksam entgegenwirken. Solcher Druck sei alternativlos, aber möglich, zeige der Streik beim RBB, wo Festangestellte und Freie gemeinsam für gute Bezahlung ihrer Arbeit streiten. Hensche zählte Mindeststandards für eine sachgerechte Entlohnung auf. Dazu gehöre, dass journalistische Arbeit als anspruchsvolle Tätigkeit  „konstituierend für die Demokratie“ und gesellschaftlich nicht grundsätzlich „rationalisierungsfähig“ sei. Ein „schleichender Ausverkauf fachlicher Kompetenz“ sollte auch diejenigen Journalistinnen und Journalisten zum Widerstand motivieren, die für einige Prozente Gehaltssteigerung nicht zu mobilisieren seien. Hensche sah einen “festen Zusammenhang“ zwischen Arbeitsbedingungen und Entlohnung darin, dass beide erst „Freiheit und Zeit für Qualitätsjournalismus“ schaffen.