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Öffentliche Stellungnahme des Redaktionsausschusses der Berliner …

Berliner Verlag

Öffentliche Stellungnahme des Redaktionsausschusses der Berliner Zeitung

01.12.2011 - Die Redaktion der Berliner Zeitung protestiert gegen die Kooperation von Dumont mit Deutscher Bank/DWS Investments

Die Redaktionsvollversammlung der Berliner Zeitung wendet sich in aller Form gegen eine von der Chefredaktion vereinbarte Kooperation mit der Fondstochter der Deutschen Bank, der DWS Investment GmbH.

Die Redaktion sieht diese Unternehmen – eine der mächtigsten Banken der Welt und der größte deutsche Fondsverwalter – nicht als geeignete Partner einer sich als unabhängig und machtkritisch verstehenden Tageszeitung an, insbesondere wegen ihrer umstrittenen Rolle als Finanzmarkt-Akteure.

Resultat dieser Kooperation ist eine von der DWS finanzierte Beilage vom Wochenende 19./20. November 2011, erschienen in den Dumont-Zeitungen Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger und Kölnische Rundschau – mit dem Titel „Gut investieren“. Darin schreiben Redakteure der Wirtschaftsressorts von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau über nachhaltige Investitionen.

Zudem ist ein „Dumont-DWS-Preis für verantwortliches Wirtschaften“ ausgelobt und von Chefredaktion und DWS-Vorstand bereits feierlich vergeben worden: an den Autobauer BMW. Dazu gab es eine Berichterstattung ebenfalls am Sonnabend, den 19. November 2011, im Wirtschaftsteil beider Zeitungen.

An dem Thema selbst ist nichts auszusetzen. Wohl aber an der Kooperation, die uns als Zeitungen in den Verdacht einer konzertierten PR-Aktion für Unternehmen mit ramponiertem Ruf bringt.

Dafür sprechen auch die Texte in der Beilage: Sie beschäftigen sich zum Teil zwar durchaus kritisch mit der Deutschen Bank und der DWS, erwähnen deren bisheriges Engagement etwa für Firmen, die geächtete Waffen wie Streubomben herstellen, oder ihre Rolle als „Hungermacher“ (Foodwatch) in den ärmsten Ländern der Welt. 

Gerade dadurch wird die Kooperation aber offensichtlich absurd. Zur Distanzierung gibt es allen Anlass, zur Zusammenarbeit keinen. Vielmehr bringen wir so unsere eigene Glaubwürdigkeit in Gefahr. Es handelt sich um eine journalistisch camouflierte PR-Aktion von Finanzmarktakteuren mit zweifelhaftem Wirken. Deren Interesse ist klar: Es besteht in White-, genauer: Greenwashing ihres Geschäftsmodells. Dazu passt, dass es auf Initiative von DWS für den Preis faktisch eine Vorauswahl der Bewerber gab (nur deutsche börsennotierte Unternehmen), dass die Jury keinen einzigen Vertreter einer Nichtregierungsorganisation aufweist, dass die Kriterien für den Preis nicht unabhängig festgelegt wurden. Die Redaktion war ohnehin nicht beteiligt.

Wir sehen in dem Vorhaben einen klaren Verstoß gegen das Redaktionsstatut der Berliner Zeitung (Paragrafen 1 und 2) sowie gegen den Pressekodex (Grundsatz 7).

Paragraf 1 des Redaktionsstatuts hält fest: „Die Berliner Zeitung ist eine von Parteien, Verbänden und Interessengruppen unabhängige Tageszeitung.“ Das ist sie innerhalb der Kooperation eben nicht mehr. Vielmehr macht sie sich ohne Not abhängig von den PR-Interessen eines Unternehmens und kommt aus dieser Falle auch mit journalistischen Mitteln nicht mehr heraus.

In Paragraf 2 heißt es ebenso eindeutig, dass „durch einen Anzeigenauftrag kein Einfluss und keine Rückwirkung auf die redaktionelle Inhaltsgestaltung ausgeübt werden darf“. Genau das geschieht mit den von vornherein eingeplanten Namensartikeln und der qua Kooperation unweigerlich wohlwollenden Tendenz mindestens gegenüber der gemeinsamen Preisvergabe und dem Preisträger.

Die Beilage verstößt aber unseres Erachtens auch gegen den Pressekodex. Im Grundsatz 7 heißt es: „Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter … beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.“ Nichts davon ist gewahrt.

Zahlreiche Gespräche und interne Proteste der Redaktion, insbesondere auch der Wirtschaftsredakteure beider Zeitungen, vor der Veröffentlichung der Beilage brachten kein Ergebnis. Daher distanzieren wir uns hiermit öffentlich von dem Projekt.

Wir setzen darauf, dass es in dieser Form einmalig bleibt.

 

Der Redaktionsausschuss der Berliner Zeitung im Namen der Redaktion

Daniel Haufler

Jan Thomsen