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Fairer Lohn für gute Arbeit – auch bei der taz!

Fairer Lohn für gute Arbeit – auch bei der taz!

18.09.2010 - Beschluss der dju-Landeskonferenz NRW: Fairer Lohn für gute Arbeit – auch bei der taz! 

  Resolution an die taz-Genossenschaftsversammlung

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di NRW solidarisiert sich mit den Auslands- und den Inlandskorrespondenten der tageszeitung (taz). Wir fordern die taz auf, nicht weiter an der Honorarabwärtsspirale zu drehen. Qualitätsjournalismus hat seinen Preis. Die gewerkschaftliche Forderung "Fair pay" gilt deshalb auch und gerade für eine Zeitung, die von sich behauptet, anders als die anderen zu sein. Wir appellieren an die heute in Berlin tagende Generalversammlung der taz-Verlagsgenossenschaft, dem unwürdigen Treiben von Chefredaktion und Geschäftsführung ein Ende zu bereiten.

Die taz wirbt damit, dass sie keinem Verleger oder Konzern gehört, sondern ihren MitarbeiterInnen und GenossInnen. Auch rühmt sie sich ihrer besonderen „Unternehmenskultur“. Doch in der Praxis ist es um die offenkundig nicht gut bestellt: Im Sommer hat die taz 14 AuslandskorrespondentInnen mit Wirkung zum 31. Oktober gekündigt, die mit einem Pauschalvertrag an die Zeitung gebunden sind. Den angekündigten, aber noch nicht vorliegenden Folgeverträgen zufolge soll es für sie künftig statt gestaffelter Pauschalen nur noch eine „Einheitspauschale“ in Höhe von 735 Euro geben. Dafür haben sie 500 Zeilen zu liefern. Nach unseren Informationen sollen Überzeilen künftig bei allen gleichmäßig mit etwa 1,12 Euro vergütet werden - allerdings nur dann, wenn das Zeilenminimum regelmäßig erfüllt ist. In der Konsequenz bedeutet die von der Chefredaktion betriebene Änderung, dass die pauschalisierten AuslandskorrespondentInnen der taz bei gleicher Arbeitsleistung im Schnitt künftig 15 Prozent, einige sogar 28 Prozent weniger verdienen sollen. Der Zweck der Übung: Der Auslandsetat soll auf dem Rücken langjähriger Mitarbeiter „flexibilisiert“ werden. Dagegen setzen sich die AuslandskorrespondentInnen der taz zur Wehr. Dabei haben sie die Unterstützung der DJU NRW.

Noch schlechter ist es um die Inlandskorrespondenten der taz bestellt. Bei ihnen hat die Abwärtsspirale schon vor Jahren begonnen – und zwar ausgehend von dem taz-üblichen niedrigen Niveau. Mit jedem KorrespondentInnenwechsel wurden die Bedingungen für den jeweils Neuen individuell verschlechtert. Zuerst wurden Festangestellte nach ihrem Weggang durch Pauschalisten ersetzt, Büros wurden gestrichen. Dann wurden die Pauschalen sukzessive gedrückt. Die Folge: Die Pauschale für Inlandskorrespondenten beträgt heute nur noch 800 Euro für 700 Zeilen. Zusätzliche Zeilen werden mit gerademal 57 Cent vergütet. Freie AutorInnen erhalten sogar nur 34 Cent pro Zeile. Das ist Dumping – und Ausbeutung!

Die taz gibt sich auch keinerlei Mühe, hieran etwas zu ändern. Schon seit Jahren hat die taz die Honorare für Pauschalisten und freie JournalistInnen im Inland nicht mehr erhöht. Auch das Inkrafttreten der Vergütungsregeln hatte keinerlei Folgen. Dies zeigt, dass die schwache Position der Pauschalisten und freien JournalistInnen auch in der alternativen taz hemmungslos ausgenutzt wird. In ihrem Antrag an die taz-Genossenschaftsversammlung fordern die Inlandskorrespondenten: "Die taz wird aufgefordert, bei den Honoraren für freie JournalistInnen künftig die gesetzlichen Vergütungsregeln einzuhalten." Als Zeichen des guten Willens sollten die Zeilengelder der Inlandspauschalisten und freien JournalistInnen sofort zumindest in gleichen Umfang erhöht werden, wie die Gehälter der festangestellten taz-RedakteurInnen seit 1999 stiegen, also um rund zwanzig Prozent. Die dju NRW erklärt sich solidarisch mit den Forderungen der InlandskorrespondentInnen.

Es gibt keine Rechtfertigung für die Discountermentalität von Geschäftsführung und Chefredaktion. Wir kennen solche Geschäftspraktiken  sonst nur von skrupellosen Verlegern. Im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen schreibt die taz derzeit schwarze Zahlen. Wenn sie den von ihr selbst postulierten Ansprüchen gerecht werden will, bleibt nur eins: Wir fordern die taz auf, endlich ihren MitarbeiterInnen faire Löhne und Honorare zu zahlen!

Liebe Genossinnen und Genossen der taz: Stimmen Sie auf Ihrer heutigen Versammlung für die Anträge der Auslands- und der InlandskorrespondentInnen! Wer sich für eine solidarische Gesellschaft einsetzt, der darf nicht wegsehen, wenn es um unzumutbare Arbeitsbedingungen und Dumpingentlohnung geht!