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Bald 86 Beschäftigte weniger und fehlende Perspektive für den …

Berliner Verlag

Bald 86 Beschäftigte weniger und fehlende Perspektive für den Berliner Verlag

29.11.2012 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert den  geplanten Stellenkahlschlag im  Berliner Verlag. "Wie nach diesem  Personalabbau die von der Geschäftsführung und den Verlegern  beteuerte Wahrung der publizistischen Qualität ermöglicht werden  soll, bleibt völlig unklar. Es ist nicht erkennbar, wie die neu  aufgestellten Redaktionen die publizistischen Aufgaben im Lokalen und Überregionalen sowie die nötige Stärkung eines Profils in den  digitalen Ausgaben und den verkauften Druckauflagen überhaupt stemmen sollen", sagte ver.di-Konzernbetreuer Matthias von Fintel. Weder sei bislang ein Plan für eine überzeugende Perspektive für den Berliner Verlag erkennbar, noch habe die Geschäftsführung gemeinsam mit den Betroffenen, den Beschäftigten im Verlag oder dem Betriebsrat beraten. 

Auch bleibe die Mediengruppe eine Erklärung schuldig, warum sie beim  geplanten Personalabbau mit zweierlei Maß messe; denn in den Kölner  Verlagsbetrieben werde der Umbau offenbar mit großzügigeren und vor  allem sozialverträglicheren Regelungen betrieben. Außerdem sei  unklar, warum trotz zunehmend weniger Stellen am Berliner Standort  die durch den Konzern bedingten Kosten stiegen. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass nicht in den Berliner Verlag investiert, sondern  dass dieser nur ausgelaugt wird", sagte der Gewerkschafter. Zudem werde den Kolleginnen und Kollegen der Frankfurter Rundschau in Berlin mit dem heutigen Tag keine Perspektive aufgezeigt. Der Berliner Verlag erkläre mit den angedrohten Plänen nicht, wie im Berliner Zeitungswettbewerb die Produkte des Berliner Teils der in Köln ansässigen Mediengruppe DuMont Schauberg gestärkt werden könnten, so von Fintel. 

"Die Planlosigkeit der Verlagsführung macht vieles zunichte, gleichzeitig fehlt eine publizistische Perspektive. Die Leserinnen und Leser, der Anzeigenmarkt und die Kolleginnen und Kollegen erwarten endlich klare Aussagen, wofür der Berliner Verlag in den nächsten Monaten und Jahren stehen soll", kritisierte von Fintel. "Die Potenziale der enorm engagierten Kolleginnen und Kollegen und die Möglichkeiten der am Markt gut positionierten Verlagsmarken werden nicht genutzt. Dennoch wird angesichts enormen Arbeitsdrucks und bereits jetzt sehr bedenklichen Bedingungen von den Kolleginnen und Kollegen tagtäglich hervorragende Arbeit gemacht. Das kann man von der Unternehmerseite nicht behaupten." 

Die Geschäftsführung hatte heute angekündigt, zunächst 40  Beschäftigte beim Berliner Kurier und im Verlagsbereich zu kündigen  und durch eine Entflechtung von der redaktionell und  produktionstechnisch verbundenen Frankfurter Rundschau weitere 46  Kündigungen in der Gemeinschaftsredaktion und der Redaktion der  Berliner Zeitung auszusprechen. Damit werden etwa 20 Prozent der  Stellen in den betroffenen Redaktionen und im Verlag am Berliner  Standort der Mediengruppe DuMont Schauberg reduziert.