Nachrichten

Berliner Verlag: ver.di verurteilt Kahlschlag bei DuMont-Mediengruppe …

Berliner Verlag: ver.di verurteilt Kahlschlag bei DuMont-Mediengruppe

27.10.2016 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) reagiert mit  scharfer Kritik auf die Sanierungspläne, die die DuMont-Mediengruppe  heute für den Standort in Berlin bekanntgegeben hat. Im Mittelpunkt  aller Überlegungen steht allein die Reduzierung von Kosten. Ein  kompletter Verlagsbereich wie die IT soll abgewickelt, das Callcenter DuMont Dialog soll verkauft und in eine ungewisse Zukunft entlassen  werden. Besonders betroffen sind auch Berliner Zeitung und Berliner  Kurier: In den Redaktionen der beiden Traditionsblätter sollen rund  ein Drittel der Beschäftigten ihre Arbeit verlieren, insgesamt rund  50 Kolleginnen und Kollegen. Für die Verlagsbereiche in der Gruppe  konnte die Geschäftsführung mit Verweis auf die GWB-Novelle und  "Marktanpassung" keine Aussagen machen. Ob die Mitarbeiterinnen und  Mitarbeiter mit ins neue Haus ziehen, ist unklar.

"ver.di lehnt diese Pläne ab. Sie sind unsozial und eines so  traditionsreichen Familienunternehmens unwürdig. Anstelle sich den  Herausforderungen der digitalen Transformation zu stellen und dafür  geeignete Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist DuMont dabei,  Qualitätsmedien komplett zu rationalisieren. DuMont war einmal eine  wichtige publizistische Größe in Deutschland. Diesen Anspruch scheint das Unternehmen aufgegeben zu haben. Beschäftigte sollen gefeuert  werden oder künftig zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten.  Damit geht genau die journalistische Qualität verloren, die man mehr  denn je braucht. Journalistische Qualität hat ihren Preis, und diese  Qualität muss man im Wettbewerb intensivieren. Doch statt um  Innovation geht es um Entlassungen, Arbeitsverdichtung und  Tarifflucht", erklärte Frank Werneke, stellvertretender ver.di-Vorsitzender. 

DuMont begründet seine Entscheidungen mit den allgemeinen  Entwicklungen am Zeitungsmarkt. Doch auch gravierende  unternehmerische Fehlentscheidungen auf höchster Ebene haben zu den  Problemen am Standort Berlin beigetragen. "Die Kosten dafür bürdet  DuMont jetzt allein den Beschäftigten auf", sagte Werneke.   Scharfe Kritik übte er am konkreten Vorgehen von DuMont: "Durch die  Gründung von neuen Gesellschaften sollen soziale Schutzmechanismen  ausgehebelt, die Regeln eines Betriebsübergangs umgangen werden.  Gestandene Kolleginnen und Kollegen sollen gezwungen werden, sich auf ihre eigenen Stellen neu zu bewerben. Das ist absolut inakzeptabel.  Wir fordern DuMont auf, unverzüglich nach Alternativen zu suchen und  die Belegschaften und ihre gewählten Betriebsräte an diesem Prozess  angemessen zu beteiligen", so Werneke. 

ver.di geht davon aus, dass es nicht beim dem jetzt angekündigten  Personalabbau in den Unternehmen des Berliner Verlages bleiben wird.  Im Dezember 2016 bzw. im Januar 2017 ist mit ähnlichen Abbauplänen in den Redaktionen des Kölner Stadtanzeigers und des Express sowie der  Hamburger Morgenpost zu rechnen.

"Ein Neustart in Berlin und in der DuMont-Mediengruppe insgesamt wird nur gemeinsam mit den Arbeitnehmern gelingen, aber nicht gegen sie.  Wir stehen an der Seite der Betroffenen und ihrer Betriebsräte. Wir  werden sie mit allen Kräften unterstützen", sagte Werneke.